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Die faszinierende Welt der Pilze

Veröffentlicht am:
March 28, 2022
Autor:
Dr. Rita Lüder

Oder warum wir Pilze dringend mehr Beachtung schenken sollten.

Wenn man vom Titel ausgeht, könnte man meinen, dass Pilze ein komplett getrenntes Leben von uns Menschen führen. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus, Pilze sind bereits ein fester Bestandteil unseres Lebens. Konträr zu der vermeintlichen Realität, ist die Wahrnehmung der Menschen auf diese wunderbaren Lebewesen.


Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Pilzen und meine Leidenschaft hat dazu geführt, dass ich gemeinsam mit meinem Ehemann Frank eine vielzahl an Büchern zu dem Thema herausgebracht habe, wir stellen Pilzinfos auf unserem Youtube Kanal kreativpinsel vor und haben und die Ausbilder zum PilzCoach ins Leben gerufen.

Dr. Rita Lüder und Frank Lüder - Pilzcoach

Mit Pilzen kann man sich ein Leben lang beschäftigen und es wird niemals langweilig. Die Pilzwelt ist genauso faszinierend wie die der Pflanzen. Es gibt hier ebenso Arten zum Färben, für die Gesundheit und für viele Bereiche des täglichen Lebens. Außerdem können uns die Pilze als Indikatoren für langfristig intakte ökologische Kreisläufe dienen und es gibt inzwischen einige namhafte Mykologen die sich dafür einsetzen “mit Pilzen die Welt zu retten”.

Unsere Faszination für die Natur möchten wir Menschen auf einfache und spielerische Art und Weise vermitteln. Meine Arbeit hat mich in meiner Karriere schließlich zur DGfM e.V. (Deutsche Gesellschaft für Mykology e.V.) geführt, wo ich für Nachwuchs in dem Verein sorge. 

Der natürliche Kreislauf der Natur

Ich bin davon überzeugt, dass die Natur so wie sie ist, bereits perfekt ist und wir sie respektieren sollten - und nicht “störend” in ihre Kreisläufe eingreifen. Diese Kreisläufe haben sich im Laufe der Evolution über Jahrmillionen entwickelt und wir haben erst einen kleinen Teil davon verstanden. Wir sind Teil dieser Natur und je mehr wir die Zusammenhänge einfach bestehen lassen ohne sie durcheinander zu bringen, desto besser können wir lernen, sie zu begreifen und desto besser können wir mit den Organismen um uns herum interagieren. 

Pilze sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich die wesentlichen, das Zusammenleben bestimmenden Faktoren unserem sichtbaren Bereich entziehen. Wir nehmen nur die Frucktkörper der Pilze wahr, die sich für kurze Zeit bemerkbar machen. Das eigentliche Wirken ist unseren menschlichen Sinnen verborgen. Um diese Aussage nachvollziehen zu können, ist es wichtig zu verstehen, was ein Pilz überhaupt ist. 

Was genau ist eigentlich dieser Pilz?

Konträr der konventionellen Wahrnehmung, besteht der Pilz zu dem größten Teil aus Myzel und das was wir wahrnehmen ist nur der Fruchtkörper, so wie der Apfel an einem Apfelbaum, nur dass wir bei einem Baum auch die Äste und den Stamm sehen können. Um das Verhältnis einmal deutlich zu machen. 

Wir sehen den Fruchtkörper und riechen vielleicht auch seinen Duft und die Sporen. Der größte Teil des Pilzes, nämlich das Myzel, bleibt für uns Menschen jedoch im Verborgenen. 

Nicht sichtbar bedeutet nicht irrelevant

Das Myzel ist zudem sehr fein und hauchdünn, was die bloße Wahrnehmung schwierig macht. Was wir nicht sehen können, ist allerdings alles andere als irrelevant. Man geht davon aus, dass ca. 25-30% der gesamten biologischen Masse auf unserem Planet aus Pilzmyzel besteht. Die Relevanz dieser Organismen ist für unser Leben auf diesem Planeten daher von unschätzbaren Wert.

Durch den aktuellen technologischen Fortschritt sind wir in der Lage, das komplexe System sichtbar zu machen und viele Wissenschaftlicher auf ganzen Welt bemühen sich aktuell, mehr Verständnis über die Zusammenhänge zu bekommen. 

Viele Pilze wachsen in Partnerschaft mit Bäumen (Mykkhorizza Pilze). Sie sind untereinander viel stärker vernetzt, als bisher angenommen. Die Pilze verbinden auch die Pflanzen untereinander und ein Pilz kann die Nährstoffe „seines Partners“ an „Bedürftige“ (andere Pflanzen) weiterleiten und abgeben. So werden auch schwächere Partner in diesem vernetzten System unterstützt. Keimlinge bekommen dadurch Starthilfe, bis sie selbst genügend Nährstoffe aufbauen können.

Natürlicher Kreislauf des Lebens dank Pilze

Pilze wirken allerdings nicht nur in der Erde, sie sind die aktuell einzigen uns bekannten Lebewesen, die in der Lage sind selbst die härtesten Materialien zu zersetzen. Dazu gehört auch das im Holz für die Stabilität sorgende Lignin (Lignine sind wesentlich für die Druckfestigkeit und Beständigkeit pflanzlicher Gewebe, so ist die Evolution der landlebenden Pflanzen und vor allem der Bäume sehr eng mit der Bildung von Lignin verknüpft.) Damit sorgen Pilze für den natürlichen Kreislauf des Lebens und tragen einen wesentlichen Beitrag dazu bei, da sie in der Lage sind organisches Material zu zersetzen und neu aufzubereiten.

Einen festen Bestandteil in unserem Leben haben glücklicherweise einige Artgenossen bereits. So haben wir es Hefepilzen zu verdanken, dass wir auf eine weltweite Bier- und Weinkultur zurückgreifen können und auch Brot in seiner köstlichen Form genießen dürfen. Seit der schottische Bakteriologe Alexander Fleming (1881-1955) beobachtete, dass bestimmte Schimmelpilze (Penicillium notatum) eine Substanz absondern, die Bakterien in ihrem Wachstum hemmt, hat das Antibiotikum Penicillin schon viele Menschenleben gerettet.

Pilze sind unheimlich vielfältig und die hier ausgewählten Beispiele nur ein sehr kleiner Auszug aus der Welt der Pilze. 

Aus Sicht der Wissenschaft und somit unserem Verständnis hinsichtlicher dieser Lebewesen, sind wir aktuell erst ganz am Anfang. 

Daher brauchen wir mehr Menschen, die sich der Faszination anschließen, die Natur erleben möchten und Fragen stellen.

Packen wir es an.

the future is all about FUNGI

 


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